Die MP 38
Die MP 38 - Vorgängerin der MP 40 - basiert entwicklungstechnisch
auf der MP E (Maschinenpistole Erma), einer Maschinenpistole, die ca. 1925
von Heinrich Vollmer entwickelt und in geringen Stückzahlen gefertigt
wurde. Vollmer verkaufte schließlich 1930 die Lizenz an die Erma-Werke
in Erfurt, die diese Waffe nach einigen Änderungen in größeren
Stückzahlen produzierten
und außer ins Ausland in Deutschland ab Mitte der dreißiger
Jahre auch an die Polizei und an die SS verkaufte.
Typisch für die bei der MP 38 übernommenen Konstruktionsmerkmale
waren vor allem der Lauf mit Massekühlung und die Teleskopfeder.
Bisherige MP waren i. d. R. mit Läufen nach dem Luftkühlungsprinzip
ausgerüstet, d. h. die Läufe waren dünn, wurden extrem
heiß beim Schießen und mußten daher mit einem Kühlmantel
oder besser Handschutz umgeben werden. Ein System, zu dem Erma übrigens
entgegen der ursprünglichen Konstruktion von Vollmer bei der Produktion
der MP E wieder zurückkehrte.
Beim Prinzip der „Massekühlung" wurde ein dicker, sich
zur Mündung hin verjüngender Lauf verwendet. Aufgrund der größeren
Laufmasse erhitzte sich der Lauf wesentlich langsamer, kühlte allerdings
nach dem Schießen auch nur langsam ab. Ein Laufmantel war hierdurch
jedoch überflüssig.
Die Teleskopfeder hatte gegenüber offenen Verschlußfedern
den Vorteil, weniger anfällig gegen Verschmutzung und Beschädigung
zu sein, was für die Zuverlässigkeit der Waffen von großer
Bedeutung war.
Der zylindrische Verschluß der MP 38 erinnert sehr an die Verschlüsse
der von Schmeißer konstruierten MP 18 I und MP 28 II. Ebenso der
hakenartige Spannhebel und die leider mangelhafte Sicherung der MP 38,
die lediglich darin bestand, den Verschluß zurückzuziehen,
bis der Spannhebel in eine Aussparung in der Verschlußhülse
geschoben werden konnte.
Die Waffe so zu führen, war allerdings schlecht für die Lebensdauer
der dabei extrem zusammengedrückten Teleskopfeder. In dieser Stellung
war auch das große Auswurffenster in der Verschlußhülse
offen, so daß das Innere der Waffe - insbesondere Lauf und Patronenlager
- leicht verschmutzen konnte. Ließ man hingegen den Verschluß in
der vordersten Stellung, bestand die Gefahr, daß harte Stöße
der Waffe z. B. durch Fallenlassen etc. den Verschluß zurück-
und wieder vorschnellen lassen konnten, was zum Zünden der ersten
Patrone und damit natürlich zum Dauerfeuer führen konnte, bis
das Magazin leer war! Dies hat zu zahlreichen schweren Unfällen
geführt.
Erst ab ca. Ende 1941 wurde ein verbessertes Sicherungssystem durch
einen einrastbaren Verschlußhebel an den ab diesem Zeitpunkt produzierten
MP 40 eingeführt, und noch später - nämlich Anfang 1942
- erging die Weisung an alle Truppenteile der WH, alte MP 38 und MP 40
entsprechend umzurüsten.
Für eine gewisse Übergangsphase und als „vorläufige
Behelfsmaßnahme" wurde zu den MP 38 und MP 40 mit altem Spannhebel
ein Lederriemen ausgegeben, der - am Lauf und mit einer Schlaufe am Spannhebel
befestigt - verhindern sollte, daß der Verschluß zurückschlagen
konnte.
Doch zurück zur MP 38: Sie wurde - ähnlich allen damaligen
Militärhandfeuerwaffen - aus gefrästen Teilen gefertigt, was
ihre Fertigung aufwendig und teuer gestaltete. Darüber hinaus machte
dies die Waffe schwer, was in Anbetracht der ebenfalls mitzuführenden
gefüllten Magazine schon ein wichtiger Punkt war. Um Gewicht zu
verringern, hatte man daher das Griffstück der MP 38 aus Aluminium
gegossen. Da
Alu im Gegensatz zum Stahl der übrigen Waffe keine Brünierung
annahm, war das Griffstück schwarz eloxiert.
Die MP 38 war für ihre Zeit durchaus revolutionär, denn im
Gegensatz zu anderen besaß sie keinen gewehrähnlichen Holzschaft
mehr, sondern eine einklappbare Schulterstütze, die die Waffe noch
handlicher machte, was sich später gerade im Häuserkampf und
im Schützengraben als sehr nützlich erwies.
Auch sonst wird man Holz vergeblich an der Waffe suchen, der Handschutz
ist - wie die Griffschalen - aus Bakelit. Da die Waffe ursprünglich
für Panzerbesatzungen konzipiert war, erhielt sie auch eine Laufauflage
aus Bakelit, die das Schießen aus Luken und Schießscharten
erleichtern sollte. Die Waffe schießt nur Dauerfeuer. Das Stangenmagazin
faßt 32 Schuß 9-mm-Parabellum-Munition. Jeder Schütze
im Kampfeinsatz erhielt drei oder sechs Reservemagazine zur Waffe und
einen Magazinlader. Die MP 38 wurde insbesondere an Heer und Fallschirmjäger
ausgegeben, ob sie auch an die anderen Waffengattungen Luftwaffe, Marine
und SS gingen, ist nicht sicher. Wenn, dann jedenfalls nur in geringen
Stückzahlen.
Hersteller und Fertigungsjahre
Die Bezeichnung „MP 38" legt den Schluß nahe, daß die
Waffe ab 1938 in Produktion ging. Ich selbst habe aber Waffen mit diesem
Datum nie gesehen oder auch nur davon gehört. Wahrscheinlicher ist
- ähnlich wie bei der P 38 -, daß die MP 38 erst gegen Mitte
oder Ende 1939 in Serie ging.
Hersteller waren die Erma-Werke mit dem Zahlencode „27".
Die meisten MP 38 wurden jedoch erst 1940 gefertigt, um aber schon in
der zweiten Jahreshälfte zugunsten des Nachfolgemodells MP 40 zurückgefahren
zu werden. Gleichwohl muß bei Erma die Produktion von MP 38 und
MP 40 zeitweise nebeneinander gelaufen sein, denn es gibt MP 38 mit der
Codierung „ayf 41" - also Erma 1941 und frühe MP 40 mit
dem Vorgängerzahlencode „27/40" -, also Erma 1940!
Entgegen vielen Publikationen zu dieser MP wurde die MP 38 also bis
ins Jahr 1941 nachweisbar hergestellt, und ihre Fertigung erfolgte keineswegs
nur bei Erma, sondern auch bei Haenel, was ebenfalls an Realstücken
nachweisbar ist (z. B. „122/1940", also Haenel-Zahlencode
1940). Produktionszahlen sind leider nicht konkret nachweisbar, da die
Abnahmezahlen beim Heereswaffenamt ab Kriegsbeginn gemeinsam für
MP 38, MP 40 und MP 38A/42 Beretta gelten.
Da jedoch zumindest bis Anfang 1940 weder MP 40 noch Beretta MP angefallen
sein
dürften und ferner überliefert ist (so Pawlas Waffen-Revue
No. 39, S. 6254), daß bis Kriegsbeginn 8772 MP 38 im Bestand waren,
ergibt sich folgendes Bild: 1939: 8 772 Bestand
1 300 Sept. 1939
1 300 Okt. 1939
1 400 Nov. 1939
1 700 Dez. 1939
14472 Gesamt 1939
In den Monaten Januar und Februar 1940 wurden insgesamt je 2000 MP angegeben.
Erst ab März schnellt die Zahl auf über das Doppelte, nämlich
4300 Stück, hoch. Die Vermutung liegt nahe, daß ab diesem
Zeitpunkt die MP 40 anfing, in Produktion zu gehen.
Wenn man weiter weiß, daß die MP 38 zumindest noch bis Anfang
1941 gefertigt wurde und bis zu diesem Zeitpunkt - sagen wir einmal März
1941 - nicht mehr als die jeweils 2000 Stück im Monat produziert
wurden, so ergibt dies für 1940 noch eine geschätzte Fertigung
von ca. 24000 Stück, plus ca. 6000 Stück für 1941, ergibt
einschließlich 1939 also eine ungefähre Stückzahl von
etwa 45 000 MP 38.
Das ist zugegebenermaßen eine recht hypothetische Rechnung aufgrund
der vielen Unbekannten, aber so ganz falsch kann sie sicher auch nicht
sein.
Häufig wird die MP 38 mit der MP 40 verwechselt. In der Tat sind
viele Teile austauschbar. Rein optisch sind beide jedoch vor allem am
Gehäuse zu unterscheiden. Das der MP 38 weist zahlreiche Längsrillen
auf, die zur Gewichtsreduzierung in das Gehäuse gefräst wurden.
Das der MP 40 hingegen ist glatt. Weitere Besonderheiten sind neben dem
Alugriffstück eine durchgehend geriffelte Mündungsmutter und
eine Haltevorrichtung am Kornschutz für den metallenen Mündungsschoner,
der ähnlich dem des 98 k ausgeführt war. Über diese Haltevorrichtung
verfügten jedoch auch noch die ersten MP 40 bis ca. Mitte/Ende 1941.
Mit einer Schußfolge von ca. 400 Schuß pro Minute hält
sich die Feuergeschwindigkeit der MP 38 in Grenzen, und sie läßt
sich recht angenehm schießen, ohne groß aus dem Ziel zu wandern.
Die MP 38 war insgesamt richtungweisend für den gesamten weiteren
Bau von Maschinenpistolen - nicht nur in Deutschland. Als ihre Produktion
Anfang 1941 eingestellt wurde, war die MP 40 schon bei verschiedenen
Herstellern in Serienfertigung.
Die MP 38/40
Um es gleich vorweg zu sagen: Dies ist keine offizielle Bezeichnung.
Sie wird hier nur zur Abgrenzung verwendet und soll diejenigen MP 38
bezeichnen, die ab Anfang 1942 mit verbessertem Spannhebel mit Sicherheitsraste
ausgestattet wurden. Zu diesem Zweck erhielten die Waffenmeistereien
im Felde diese neuen Spannhebel, die einfach gegen die alten in den
Verschlußstücken ausgetauscht wurden. Das Gehäuse wurde
dann so ausgefräst, daß der Verschlußhebel in vorderster
Stellung arretiert werden konnte.
Aufgrund erhaltener Realstücke läßt sich wohl sagen,
daß die meisten MP 38 so abgeändert wurden. Eine geringe Zahl
von MP 38 verblieb jedoch im Originalzustand. Diese Ausführung ist
allerdings heute besonders selten, die MP 38/40 sicher vergleichsweise
häufiger.
Die MP 40
Vereinfacht ausgedrückt ist die MP 40 eine im Blechprägeverfahren
hergestellte MP 38. Als sie in der ersten Hälfte des Jahres 1940
in Serie ging, wurde durch die vereinfachte Konstruktion von Gehäuse
und Griffstück aus Stahlblech eine deutliche zeitliche Verkürzung
und Vereinfachung der Produktion erreicht, die sich in wesentlich größeren
Stückzahlen niederschlug. Die ersten MP 40 bis ca. Ende 1941 besaßen
noch ein Gehäuse mit glattem Magazinschacht. Entgegen mancher Publikationen
war der jedoch keinesfalls noch gefräst, wie der zur Gewichtsersparnis
mit Loch versehene Magazinschacht der MP 38!
Es stellte sich aber wohl bald im Einsatz heraus, daß dieses Blechteil
zu wenig Stabilität besaß und zu leicht verbeulte, was die
Brauchbarkeit der Waffe in Frage stellte. So wurde gegen Ende 1941 der
Magazinschacht mit der typischen Blechprägeriffelung versehen, die
der Versteifung diente.
Die eingangs dargestellten Probleme aufgrund der Gefährlichkeit
des einfachen Spannhebels führten schließlich dazu, daß ca.
Ende 1941/Anfang 1942 auf den verbesserten Spannhebel mit Sicherheitsrast
umgestellt wurde, der übrigens dem der russischen PPsh 41 ähnlich
ist. Bereits vorhandene Bestände an MP 40 mit einfachem Spannhebel
wurden
ebenfalls ab Anfang 1942 geändert. Doch auch hier wurde die Maßnahme
nicht überall durchgeführt, so daß es eine nicht unbeträchtliche
Zahl von frühen MP 40 der Fertigungsjahre 1940 und 1941 gibt, die
noch den einfachen Spannhebel aufweisen.
Bezüglich der Produktionsweise des Griffstücks gibt es offenbar
auch Unterschiede, die sowohl firmen- als auch zeitlich bedingt waren
und offenbar auch Fronterfahrungen wiedergeben und auch Versuche zur
weiteren Produktionsvereinfachung darstellen.
Einige wesentliche weitere Änderungen seien hier kurz ausgeführt:
So wurde ab 1943 die bisher sechskantige Laufhaltemutter in vereinfachter
runder Form mit nur noch zwei Backen ausgeführt, was eigentlich
auch völlig ausreichend war. Die Sechskantmuttern wurden jedoch
auch noch nach 1943 benutzt. Die Laufauflage aus Bakelit wurde ab 1943
vereinzelt auch als Blechprägeteil ausgeführt. Auch Zinkguß fand
ab Anfang 1944 vereinzelt Verwendung. Ab ca. Mitte 1941 entfiel die
Halterung für den metallenen Mündungsschoner am Lauf, der
- wie beim 98 k - durch eine Kunststoffkappe ersetzt wurde.
Außerdem gab es noch eine letzte Ausführung der MP 40, die
nur von Steyr ab Ende 1943 hergestellt wurde und in einem vereinfachten
einteiligen, im Gegensatz zum sonst zweiteiligen Griffstück bestand.
Die Produktion dieser Steyr-Ausführung war besonders rauh verarbeitet,
das Gehäuse grob punktverschweißt. Statt der üblichen
zwei Schrauben zur Befestigung des Griffstücks am Handschutz mit
Fixierschräubchen, ähnlich dem des 98 k, gab es nur noch eine
Art von „Einschnappvorrichtung". Die Läufe waren ab Ende
1943 nur noch grob abgedreht, und angeblich sollen gegen Ende 1944 auch
MP 40 mit halbierten und gestreckten MG-42-Federn und festem Schlagbolzen
im Verschluß anstelle von Teleskopfedern gefertigt worden sein.
Die Kadenz der MP 40 lag - wie bei der MP 38 - bei ca. 400 Schuß pro
Minute. Auch sie schießt angenehm und zielsicher, auch wenn sie
leichter ist als die gefräste MP 38.
Die MP 40 ging an alle Waffengattungen der Wehrmacht und an die Waffen-SS.
Sie wurde in kleineren Stückzahlen auch an die Polizei ausgegeben.
Zur Ausrüstung gehörte üblicherweise neben drei oder sechs
Magazinen auch ein Magazinfüller.
Hersteller und Produktionsjahre
Neben den Erma-Werken (27 und „ayf') und Haenel (122 und „fxo")
war es vor allem die Firma Steyr, die ab Anfang 1940 zunächst unter
dem Code „660", ab Mitte 1940 unter dem Buchstabencode „bnz" die
MP 40 bis Ende 1944 in großen Stückzahlen produzierte.
Zulieferfirmen wie die Merz-Werke (cos) oder National Krupp Registrierkassen
GmbH (cnd) stellten Blechprägeteile wie Griffstücke etc. her.
Nach amerikanischen Quellen sollen insgesamt über eine Million MP
40 über die Kriegsjahre wie folgt produziert worden sein:
1940 113700
1941 239000
1942 231500
1943 234300
1944 228600
Ende 1944 wurde die Produktion der MP 40 endgültig zugunsten der
MP 44 eingestellt. Das Sturmgewehr war offizieller Nachfolger der MP
40.
Um die angesprochenen verschiedenen Ausführungen besser unterscheiden
zu können, bietet sich vielleicht folgende Nomenklatur an:
- MP 40 1. Modell: glatter Magazinschacht, einfacher Spannhebel;
- MP 40 1. Modell geändert: glatter Magazinschacht, geänderter
neuer Spannhebel;
- MP 40 2. Modell: geriffelter Magazinschacht, einfacher Spannhebel;
- MP 40 2. Modell geändert: geriffelter Magazinschacht, neuer geänderter
Spannhebel;
- MP 40 3. Modell: geriffelter Magazinschacht, neuer Spannhebel;
- MP 40 4. Modell: Steyr-Ausführung 43/44 mit vereinfachtem Griffstück.
Die MP 40/1
Die MP 40/1 war eine MP 40 mit so geändertem Magazinhalter, daß zwei
MP-40-Magazine aufgenommen werden konnten. War ein Magazin leergeschossen,
konnte durch einfaches Verschieben das zweite gefüllte Magazin bei
gespanntem Verschluß zugeführt werden, so daß also insgesamt
64 Schuß zur Verfügung standen.
Diese Waffe, die offenbar nie in Serie ging und nur in kleinen Stückzahlen
von Erma und Steyr gefertigt wurde, erschien erstmals am 1. Juli 1942
als „MP 40/1" in der Geräteliste der Wehrmacht. Die vereinzelt
zu lesende Bezeichnung dieser Waffe als „MP 40/11" ist somit
falsch. Ob diese Waffe - wie häufig benannt - tatsächlich für
Sonderkommandos oder als Antwort auf das 72schüssige Trommelmagazin
der russischen PPsh 41 gedacht war, bleibt unklar.
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