Historisches zur MP 38/40 Teil 1
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Zur Entwicklungsgeschichte der MP 38/MP40 geben wir nachfolgend Teil 1 und 2 des Artikel "Die deutschen Maschinenpistolen MP 38 und MP 40, 1938 bis 1944." aus dem "Deutschen Waffen Journal" Heft 10 und 11/1992 von Jürgen Schönebeck wieder.
Auf Bilder dieses Artikels haben wir an dieser Stelle verzichtet.
Der vollständige Artikel 10/1992 inkl. aller Fotos steht hier im PDF-Format Dateigröße 1,4Mb zum Download zur Verfügung.
 
Die MP 38
Die MP 38 - Vorgängerin der MP 40 - basiert entwicklungstechnisch auf der MP E (Maschinenpistole Erma), einer Maschinenpistole, die ca. 1925 von Heinrich Vollmer entwickelt und in geringen Stückzahlen gefertigt wurde. Vollmer verkaufte schließlich 1930 die Lizenz an die Erma-Werke in Erfurt, die diese Waffe nach einigen Änderungen in größeren Stückzahlen produzierten
und außer ins Ausland in Deutschland ab Mitte der dreißiger Jahre auch an die Polizei und an die SS verkaufte.

Typisch für die bei der MP 38 übernommenen Konstruktionsmerkmale waren vor allem der Lauf mit Massekühlung und die Teleskopfeder. Bisherige MP waren i. d. R. mit Läufen nach dem Luftkühlungsprinzip ausgerüstet, d. h. die Läufe waren dünn, wurden extrem heiß beim Schießen und mußten daher mit einem Kühlmantel oder besser Handschutz umgeben werden. Ein System, zu dem Erma übrigens entgegen der ursprünglichen Konstruktion von Vollmer bei der Produktion der MP E wieder zurückkehrte.

Beim Prinzip der „Massekühlung" wurde ein dicker, sich zur Mündung hin verjüngender Lauf verwendet. Aufgrund der größeren Laufmasse erhitzte sich der Lauf wesentlich langsamer, kühlte allerdings nach dem Schießen auch nur langsam ab. Ein Laufmantel war hierdurch jedoch überflüssig.

Die Teleskopfeder hatte gegenüber offenen Verschlußfedern den Vorteil, weniger anfällig gegen Verschmutzung und Beschädigung zu sein, was für die Zuverlässigkeit der Waffen von großer Bedeutung war.

Der zylindrische Verschluß der MP 38 erinnert sehr an die Verschlüsse der von Schmeißer konstruierten MP 18 I und MP 28 II. Ebenso der hakenartige Spannhebel und die leider mangelhafte Sicherung der MP 38, die lediglich darin bestand, den Verschluß zurückzuziehen, bis der Spannhebel in eine Aussparung in der Verschlußhülse geschoben werden konnte.

Die Waffe so zu führen, war allerdings schlecht für die Lebensdauer der dabei extrem zusammengedrückten Teleskopfeder. In dieser Stellung war auch das große Auswurffenster in der Verschlußhülse offen, so daß das Innere der Waffe - insbesondere Lauf und Patronenlager - leicht verschmutzen konnte. Ließ man hingegen den Verschluß in der vordersten Stellung, bestand die Gefahr, daß harte Stöße der Waffe z. B. durch Fallenlassen etc. den Verschluß zurück- und wieder vorschnellen lassen konnten, was zum Zünden der ersten Patrone und damit natürlich zum Dauerfeuer führen konnte, bis das Magazin leer war! Dies hat zu zahlreichen schweren Unfällen geführt.

Erst ab ca. Ende 1941 wurde ein verbessertes Sicherungssystem durch einen einrastbaren Verschlußhebel an den ab diesem Zeitpunkt produzierten MP 40 eingeführt, und noch später - nämlich Anfang 1942 - erging die Weisung an alle Truppenteile der WH, alte MP 38 und MP 40 entsprechend umzurüsten.

Für eine gewisse Übergangsphase und als „vorläufige Behelfsmaßnahme" wurde zu den MP 38 und MP 40 mit altem Spannhebel ein Lederriemen ausgegeben, der - am Lauf und mit einer Schlaufe am Spannhebel befestigt - verhindern sollte, daß der Verschluß zurückschlagen konnte.

Doch zurück zur MP 38: Sie wurde - ähnlich allen damaligen Militärhandfeuerwaffen - aus gefrästen Teilen gefertigt, was ihre Fertigung aufwendig und teuer gestaltete. Darüber hinaus machte dies die Waffe schwer, was in Anbetracht der ebenfalls mitzuführenden gefüllten Magazine schon ein wichtiger Punkt war. Um Gewicht zu verringern, hatte man daher das Griffstück der MP 38 aus Aluminium gegossen. Da
Alu im Gegensatz zum Stahl der übrigen Waffe keine Brünierung annahm, war das Griffstück schwarz eloxiert.

Die MP 38 war für ihre Zeit durchaus revolutionär, denn im Gegensatz zu anderen besaß sie keinen gewehrähnlichen Holzschaft mehr, sondern eine einklappbare Schulterstütze, die die Waffe noch handlicher machte, was sich später gerade im Häuserkampf und im Schützengraben als sehr nützlich erwies.

Auch sonst wird man Holz vergeblich an der Waffe suchen, der Handschutz ist - wie die Griffschalen - aus Bakelit. Da die Waffe ursprünglich für Panzerbesatzungen konzipiert war, erhielt sie auch eine Laufauflage aus Bakelit, die das Schießen aus Luken und Schießscharten erleichtern sollte. Die Waffe schießt nur Dauerfeuer. Das Stangenmagazin faßt 32 Schuß 9-mm-Parabellum-Munition. Jeder Schütze im Kampfeinsatz erhielt drei oder sechs Reservemagazine zur Waffe und einen Magazinlader. Die MP 38 wurde insbesondere an Heer und Fallschirmjäger ausgegeben, ob sie auch an die anderen Waffengattungen Luftwaffe, Marine und SS gingen, ist nicht sicher. Wenn, dann jedenfalls nur in geringen Stückzahlen.

Hersteller und Fertigungsjahre
Die Bezeichnung „MP 38" legt den Schluß nahe, daß die Waffe ab 1938 in Produktion ging. Ich selbst habe aber Waffen mit diesem Datum nie gesehen oder auch nur davon gehört. Wahrscheinlicher ist - ähnlich wie bei der P 38 -, daß die MP 38 erst gegen Mitte oder Ende 1939 in Serie ging.

Hersteller waren die Erma-Werke mit dem Zahlencode „27". Die meisten MP 38 wurden jedoch erst 1940 gefertigt, um aber schon in der zweiten Jahreshälfte zugunsten des Nachfolgemodells MP 40 zurückgefahren zu werden. Gleichwohl muß bei Erma die Produktion von MP 38 und MP 40 zeitweise nebeneinander gelaufen sein, denn es gibt MP 38 mit der Codierung „ayf 41" - also Erma 1941 und frühe MP 40 mit dem Vorgängerzahlencode „27/40" -, also Erma 1940!

Entgegen vielen Publikationen zu dieser MP wurde die MP 38 also bis ins Jahr 1941 nachweisbar hergestellt, und ihre Fertigung erfolgte keineswegs nur bei Erma, sondern auch bei Haenel, was ebenfalls an Realstücken nachweisbar ist (z. B. „122/1940", also Haenel-Zahlencode 1940). Produktionszahlen sind leider nicht konkret nachweisbar, da die Abnahmezahlen beim Heereswaffenamt ab Kriegsbeginn gemeinsam für MP 38, MP 40 und MP 38A/42 Beretta gelten.

Da jedoch zumindest bis Anfang 1940 weder MP 40 noch Beretta MP angefallen sein
dürften und ferner überliefert ist (so Pawlas Waffen-Revue No. 39, S. 6254), daß bis Kriegsbeginn 8772 MP 38 im Bestand waren, ergibt sich folgendes Bild: 1939: 8 772 Bestand
1 300 Sept. 1939
1 300 Okt. 1939
1 400 Nov. 1939
1 700 Dez. 1939
14472 Gesamt 1939

In den Monaten Januar und Februar 1940 wurden insgesamt je 2000 MP angegeben. Erst ab März schnellt die Zahl auf über das Doppelte, nämlich 4300 Stück, hoch. Die Vermutung liegt nahe, daß ab diesem Zeitpunkt die MP 40 anfing, in Produktion zu gehen.

Wenn man weiter weiß, daß die MP 38 zumindest noch bis Anfang 1941 gefertigt wurde und bis zu diesem Zeitpunkt - sagen wir einmal März 1941 - nicht mehr als die jeweils 2000 Stück im Monat produziert wurden, so ergibt dies für 1940 noch eine geschätzte Fertigung von ca. 24000 Stück, plus ca. 6000 Stück für 1941, ergibt einschließlich 1939 also eine ungefähre Stückzahl von etwa 45 000 MP 38.

Das ist zugegebenermaßen eine recht hypothetische Rechnung aufgrund der vielen Unbekannten, aber so ganz falsch kann sie sicher auch nicht sein.

Häufig wird die MP 38 mit der MP 40 verwechselt. In der Tat sind viele Teile austauschbar. Rein optisch sind beide jedoch vor allem am Gehäuse zu unterscheiden. Das der MP 38 weist zahlreiche Längsrillen auf, die zur Gewichtsreduzierung in das Gehäuse gefräst wurden. Das der MP 40 hingegen ist glatt. Weitere Besonderheiten sind neben dem Alugriffstück eine durchgehend geriffelte Mündungsmutter und eine Haltevorrichtung am Kornschutz für den metallenen Mündungsschoner, der ähnlich dem des 98 k ausgeführt war. Über diese Haltevorrichtung verfügten jedoch auch noch die ersten MP 40 bis ca. Mitte/Ende 1941.

Mit einer Schußfolge von ca. 400 Schuß pro Minute hält sich die Feuergeschwindigkeit der MP 38 in Grenzen, und sie läßt sich recht angenehm schießen, ohne groß aus dem Ziel zu wandern. Die MP 38 war insgesamt richtungweisend für den gesamten weiteren Bau von Maschinenpistolen - nicht nur in Deutschland. Als ihre Produktion Anfang 1941 eingestellt wurde, war die MP 40 schon bei verschiedenen Herstellern in Serienfertigung.

Die MP 38/40
Um es gleich vorweg zu sagen: Dies ist keine offizielle Bezeichnung. Sie wird hier nur zur Abgrenzung verwendet und soll diejenigen MP 38 bezeichnen, die ab Anfang 1942 mit verbessertem Spannhebel mit Sicherheitsraste ausgestattet wurden. Zu diesem Zweck erhielten die Waffenmeistereien im Felde diese neuen Spannhebel, die einfach gegen die alten in den Verschlußstücken ausgetauscht wurden. Das Gehäuse wurde dann so ausgefräst, daß der Verschlußhebel in vorderster Stellung arretiert werden konnte.

Aufgrund erhaltener Realstücke läßt sich wohl sagen, daß die meisten MP 38 so abgeändert wurden. Eine geringe Zahl von MP 38 verblieb jedoch im Originalzustand. Diese Ausführung ist allerdings heute besonders selten, die MP 38/40 sicher vergleichsweise häufiger.

Die MP 40
Vereinfacht ausgedrückt ist die MP 40 eine im Blechprägeverfahren hergestellte MP 38. Als sie in der ersten Hälfte des Jahres 1940 in Serie ging, wurde durch die vereinfachte Konstruktion von Gehäuse und Griffstück aus Stahlblech eine deutliche zeitliche Verkürzung und Vereinfachung der Produktion erreicht, die sich in wesentlich größeren Stückzahlen niederschlug. Die ersten MP 40 bis ca. Ende 1941 besaßen noch ein Gehäuse mit glattem Magazinschacht. Entgegen mancher Publikationen war der jedoch keinesfalls noch gefräst, wie der zur Gewichtsersparnis mit Loch versehene Magazinschacht der MP 38!

Es stellte sich aber wohl bald im Einsatz heraus, daß dieses Blechteil zu wenig Stabilität besaß und zu leicht verbeulte, was die Brauchbarkeit der Waffe in Frage stellte. So wurde gegen Ende 1941 der Magazinschacht mit der typischen Blechprägeriffelung versehen, die der Versteifung diente.

Die eingangs dargestellten Probleme aufgrund der Gefährlichkeit des einfachen Spannhebels führten schließlich dazu, daß ca. Ende 1941/Anfang 1942 auf den verbesserten Spannhebel mit Sicherheitsrast umgestellt wurde, der übrigens dem der russischen PPsh 41 ähnlich ist. Bereits vorhandene Bestände an MP 40 mit einfachem Spannhebel wurden
ebenfalls ab Anfang 1942 geändert. Doch auch hier wurde die Maßnahme nicht überall durchgeführt, so daß es eine nicht unbeträchtliche Zahl von frühen MP 40 der Fertigungsjahre 1940 und 1941 gibt, die noch den einfachen Spannhebel aufweisen.

Bezüglich der Produktionsweise des Griffstücks gibt es offenbar auch Unterschiede, die sowohl firmen- als auch zeitlich bedingt waren und offenbar auch Fronterfahrungen wiedergeben und auch Versuche zur weiteren Produktionsvereinfachung darstellen.

Einige wesentliche weitere Änderungen seien hier kurz ausgeführt:
So wurde ab 1943 die bisher sechskantige Laufhaltemutter in vereinfachter runder Form mit nur noch zwei Backen ausgeführt, was eigentlich auch völlig ausreichend war. Die Sechskantmuttern wurden jedoch auch noch nach 1943 benutzt. Die Laufauflage aus Bakelit wurde ab 1943 vereinzelt auch als Blechprägeteil ausgeführt. Auch Zinkguß fand ab Anfang 1944 vereinzelt Verwendung. Ab ca. Mitte 1941 entfiel die Halterung für den metallenen Mündungsschoner am Lauf, der - wie beim 98 k - durch eine Kunststoffkappe ersetzt wurde.

Außerdem gab es noch eine letzte Ausführung der MP 40, die nur von Steyr ab Ende 1943 hergestellt wurde und in einem vereinfachten einteiligen, im Gegensatz zum sonst zweiteiligen Griffstück bestand. Die Produktion dieser Steyr-Ausführung war besonders rauh verarbeitet, das Gehäuse grob punktverschweißt. Statt der üblichen zwei Schrauben zur Befestigung des Griffstücks am Handschutz mit Fixierschräubchen, ähnlich dem des 98 k, gab es nur noch eine Art von „Einschnappvorrichtung". Die Läufe waren ab Ende 1943 nur noch grob abgedreht, und angeblich sollen gegen Ende 1944 auch MP 40 mit halbierten und gestreckten MG-42-Federn und festem Schlagbolzen im Verschluß anstelle von Teleskopfedern gefertigt worden sein.
Die Kadenz der MP 40 lag - wie bei der MP 38 - bei ca. 400 Schuß pro Minute. Auch sie schießt angenehm und zielsicher, auch wenn sie leichter ist als die gefräste MP 38.
Die MP 40 ging an alle Waffengattungen der Wehrmacht und an die Waffen-SS. Sie wurde in kleineren Stückzahlen auch an die Polizei ausgegeben. Zur Ausrüstung gehörte üblicherweise neben drei oder sechs Magazinen auch ein Magazinfüller.

Hersteller und Produktionsjahre
Neben den Erma-Werken (27 und „ayf') und Haenel (122 und „fxo") war es vor allem die Firma Steyr, die ab Anfang 1940 zunächst unter dem Code „660", ab Mitte 1940 unter dem Buchstabencode „bnz" die MP 40 bis Ende 1944 in großen Stückzahlen produzierte.

Zulieferfirmen wie die Merz-Werke (cos) oder National Krupp Registrierkassen GmbH (cnd) stellten Blechprägeteile wie Griffstücke etc. her. Nach amerikanischen Quellen sollen insgesamt über eine Million MP 40 über die Kriegsjahre wie folgt produziert worden sein:
1940 113700
1941 239000
1942 231500
1943 234300
1944 228600

Ende 1944 wurde die Produktion der MP 40 endgültig zugunsten der MP 44 eingestellt. Das Sturmgewehr war offizieller Nachfolger der MP 40.

Um die angesprochenen verschiedenen Ausführungen besser unterscheiden zu können, bietet sich vielleicht folgende Nomenklatur an:
- MP 40 1. Modell: glatter Magazinschacht, einfacher Spannhebel;
- MP 40 1. Modell geändert: glatter Magazinschacht, geänderter neuer Spannhebel;
- MP 40 2. Modell: geriffelter Magazinschacht, einfacher Spannhebel;
- MP 40 2. Modell geändert: geriffelter Magazinschacht, neuer geänderter Spannhebel;
- MP 40 3. Modell: geriffelter Magazinschacht, neuer Spannhebel;
- MP 40 4. Modell: Steyr-Ausführung 43/44 mit vereinfachtem Griffstück.

Die MP 40/1
Die MP 40/1 war eine MP 40 mit so geändertem Magazinhalter, daß zwei MP-40-Magazine aufgenommen werden konnten. War ein Magazin leergeschossen, konnte durch einfaches Verschieben das zweite gefüllte Magazin bei gespanntem Verschluß zugeführt werden, so daß also insgesamt 64 Schuß zur Verfügung standen.

Diese Waffe, die offenbar nie in Serie ging und nur in kleinen Stückzahlen von Erma und Steyr gefertigt wurde, erschien erstmals am 1. Juli 1942 als „MP 40/1" in der Geräteliste der Wehrmacht. Die vereinzelt zu lesende Bezeichnung dieser Waffe als „MP 40/11" ist somit falsch. Ob diese Waffe - wie häufig benannt - tatsächlich für Sonderkommandos oder als Antwort auf das 72schüssige Trommelmagazin der russischen PPsh 41 gedacht war, bleibt unklar.

 
Hier gelangen Sie zum 2. Teil "Die deutschen Maschinenpistolen MP 38 und MP 40, 1938 bis 1944." aus DWJ 11/1992.
 
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